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Psychologie und "Werden"




Wo zwei oder drei in Deinem Namen zusammen sind,
da vollzieht sich Heilung

Die Psycho-logie, die Lehre (griechisch "logos") von der Seele (griech. "psyche"), ist eine junge Disziplin der Wissenschaften, die sich vornehmlich mit dem Denken und Fühlen des Menschen beschäftigt.

Seele ist heute ein sehr schillernde Begriff geworden und es ist wichtig, eine Klarheit darüber zu gewinnen, was wir damit meinen. Für manche Menschen bedeutet Seele der unsterbliche Anteil des Menschen; für andere der reinkarnierende Anteil des Menschen im Zyklus der Wiedergeburten; für andere der tiefere, höhere Teil des "Ichs" oder der spirituelle, göttliche Anteil des Menschen, um nur ein paar Bedeutungen zu streifen.

Als erstes müssen wir erkennen, dass es immer wir selbst sind, die den Worten ihre Bedeutungen verleihen. Diese offensichtliche Wahrheit wird oft vergessen. Die Übersetzung aus einer Ursprungssprache, liefert immer nur eine erste Hilfe.

Gerade einmal hundert Jahre alt und in der psychoanalytischen Schule von und um Sigmund Freud begründet, ist die Psychologie eine Art Ersatz oder dritte Disziplin neben der Schulmedizin und der Religion.

Der Beruf des Priesterarztes im Altertum ist das eigentliche Vorbild für den Psychologen.
Schon früh im Altertum entwickelte sich die psychosomatische Medizin, basierend auf dem Asklepiuskult in Griechenland, getrennt von der Schulmedizin, deren Vater Hippokrates war.

Es ist interessant, sich den Schwur der Ärzte einmal anzuschauen:

"Ich schwöre bei Apollon, dem Arzte, und bei den anderen Heilgöttern als Zeugen, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen dieses Gelöbnis und seine Verpflichtung erfüllen werde: Ich will meine Lehrer der Heilkunst gleich meinen Eltern achten. Mit ihnen werde ich meinen Lebensunterhalt teilen und in der Not zu ihnen stehen. Selbstlos will ich die ärztliche Lehre ihren wie auch meinen Söhnen weitergeben. Ich will meine Ratschläge und Verordnungen zum Heil der Kranken nach bestem Wissen und Können geben. Meine Patienten werde ich dabei schützen vor allem, was ihnen schaden könnte oder Unrecht täte. Niemals werde ich ein tödlich wirkendes Mittel verabreichen noch einen Rat dazu erteilen, selbst wenn man mich dazu auffordern sollte. Niemals aber werde ich einer Frau zu einer Abtreibung verhelfen. Wenn ich des Kranken Haus betrete, so soll ihm dies nutzen und frommen. Keinem soll Unrecht geschehen, und niemandem will ich zu nahe treten, zumal nicht den Frauen. Was ich auch in meiner Praxis zu sehen und zu hören bekomme, ich werde darüber schweigen und nichts verlauten lassen. Die Wahrung dieses Geheimnisses sei dem Arzt eine heilige Sache. Wenn ich nun diesen Eid halte, so soll mir im Leben wie in der Heilkunst der Segen nicht ausbleiben, Ruhm auch und Ansehen für folgende Zeiten. Verachtung aber soll mich treffen, wenn ich treulos werden sollte."

Welch starker Eid. Leben unsure heutigen Ärzte nach diesen Grundverpflichtungen?
Welches wären die Verpflichtungen eines Psychologen, der noch ungemein dichter am Wesen des Menschen behandelt?

In der weiteren Entwicklung der Medizin über die Jahrhunderte hinweg "verlor" die Schulmedizin die spirituell-psychologische Dimension (die Lehre von der Seele) und verlor damit auch ihre eigentliche Bestimmung, die ursprünglich ganzheitliche Medizin oder Heilkunst, den Auftrag den Menschen als Ganzes heilen zu wollen.
So entstand der Berufszweig des Psychologen.

Der Psychologe wurde zwar im Jahr 1999 im krankenkassenärztlichen Abrechnungsverfahren formell fast gleichwertig auf die Ebene der Mediziner gehoben, aber doch nicht gleichgestellt.

Nun, auch in der Psychologie haben wir viele Strömungen und in vielen dieser Heilwege der Seele ist die spirituelle Dimension des Menschen, sein eigentlicher Urgrund nicht mehr zu finden.

In der Vergangenheit, schon zur Zeit der Geburt der Psychologie durch Freud, führte dieser Umstand zu einer Trennung von Freud von seinem damaligen Schüler, dem Schweizer Arzt und Psychiater C.G. Jung, der sich mehr der Tiefendimension des Menschen verpflichtet gefühlt hat. Die von Jung benutzten Begriffe wie “Schatten”, “Archetyp”, “Anima und “Animus” sind bereits im allgemeinen Sprachgebrauch.

Die Psychologie, die Lehre von der Seele, ist ein wertvoller Weg der Reinigung unseres Denk- und Fühlkörpers. Sie ist eine grossartige Möglichkeit viele unserer verdrängten und verleugneten Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, sie anzuerkennen und so zu lernen mehr Verantwortung für unser So-Geworden-Sein zu tragen.

Die Psychotherapie, die Pflege (“terapeuein“, griechisch) der Seele, ist der regelmässige “Reinigungs- und Verbesserungsdienst”, den wir uns gönnen sollten.

Die Psychotherapie entspricht, philosophisch gesehen, einer Haltung des “Werdens”. Der Mensch ist zwar schon vorhanden, als Rohbau sozusagen, aber seine Bestimmung erlangt er erst, wenn er “wird was er ist“.

Dieses “ist”, sein Sein, muss ihm aber erst noch bewusst werden. Dieses Bewusst-“werden” ist die Arbeit der Psychologie. Die Psychologie ist quasi ein Reinigungsweg, ein Klärungsweg. Wird dieser Weg gegangen, so führt er zu einem “gesunden Ich”, ein gesunder Mensch sozusagen.

Haben wir diese Arbeit geleistet und ist der Mensch zu einem gesunden Mensch gereift, so kann es geschehen, dass er nun die Frage nach der wirklichen Bedeutung, der Essenz, seines "Ich's" als Zentrum all seiner Handlungen tiefer stellt.

Von nun an beginnt das spirituelle Leben des Menschen. Gebet, Meditation, das Studium alter heiliger Schriften aus den verschiedenen Traditionen sind nun die Mittel um das volle Mensch-Sein zu “erlangen“.

Der Mensch erkennt, dass er immer schon zuerst ein spirituelles Wesen war, das irrtümlich sich für ein gefallenes, schlechtes, schuldbeladenes Menschlein gehalten hat. Dieser Glorie des Menschen öffnet sich die Spirituelle Psychologie, die davon ausgeht, dass der Menschen in seinem wahren Wesen vollständig und im tranzendenten Sinn “gut” ist.

Dieses “Gut-Sein” als Ursprung und Wesenskern des Menschen, wird nun zur Grundlage einer Philosophie des Seins, das die vorherige Philosophie des Werdens (alte Psychotherapie) ablöst.

Die spirituelle Psychologie ist eine Betrachtung des Menschen, die auf einer Rückbesinnung auf die wahren Wurzeln der Psychologie beruht.

“Es gibt nichts Neues unter der Sonne”

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